Da sehe ich einen Typen im Kaufhaus. Geschätztes Alter, um die 33 Jahre. Einfach lecker, so rein optisch: Muskeln an den richtigen Stellen und nicht zu viele, cooles Lächeln, kurze, blonde Haare, blaue Augen und zum Glück kein Bart. (Küsst Ihr gern Männer mit Bart? Also meins ist das nicht: piekt, kratzt und überhaupt).
Nach ein paar Sätzen stelle ich fest, dass der Mann nicht nur lecker aussieht, sondern auch noch mehr als nur nett ist: Verbal schlagfertig, selbstbewusst, trockener Humor und selbst im Mega-Stress freundlich. Wir flirten ein klitzekleines bisschen miteinander. Er bietet mir an, die Einkäufe nach Hause zu tragen – und ich fange an, mir vorzustellen, ob ich mit ihm wohl gut knutschen kann… Schließlich bin ich Single und es ist Frühling!
Wie der Zufall es so will, kenne ich jemanden, der wiederum Freunde von ihm kennt. Also finde ich – na, nicht mit falschen Federn schmücken, es war mein Kumpel – seinen Namen sehr schnell in einer der Web-Communities. Er skypt ihn an, doch: Monsieur bleibt stumm. Hmhm – gefällt mir, irgendwie. Statt eines Fotos hat er ein Logo veröffentlicht. Scheint Gothic zu mögen. Also hat bekommt er den Spitznamen: Mister Dark Side of the Moon. Nach zwei Tagen beschließe ich, dass ich keine 15 mehr bin – und schreibe ihm eine unverbindlich-nette Nachricht. Warum auch nicht? Schließlich haben wir uns in den letzten 8 Wochen regelmäßig einmal gesehen. Also: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Prompt kommt eine Antwort. Stil: gewohnt „erfrischend“, höflich, durchaus interessiert: mit einer “Selbst-Einladung” zum Kaffee bei mir, Handynummer schon mitgeliefert. Aha, denke ich – und fange schon an, mich auf einen netten kleinen Frühlingsflirt zu freuen. So weit, so gut?
Von wegen! Denn jetzt fängt der Stress an: Mit seiner Antwort schickt er auch eine „Verlinkungs-Anfrage“. Klar sagte ich ja,ich bin doch neugierig auf ein paar persönliche Angaben über/von ihm, die erst dann freigegeben werden. Ach, hätte ich das doch bloß gelassen: Denn alles, was ich dort finde, passt gar nicht zu dem (positiven) Bild, das ich mir von ihm gemacht hatte. Da präsentiert sich der Mann, der auch noch knapp 5 Jahre jünger als von mir geschätzt ist, als Waffen-Heini, Frauenverachter, Dumpfbacken-Macho– to make a long story short: als I-D-I-O-T. So schnell kann Mann sich entzaubern! Und ich dachte immer, dass jeder das Internet doch eher dazu nutzt, sich vorteilhaft zu präsentieren.
Was nun? Als ich auf seine Nachricht reagiert, war er noch Prinz. Jetzt ist er Frosch – aber mit Kaffee-Einladung…
