„Ich heiße Marion und bin 26 Jahre alt. Habe lange, dunkle Haare, blaue Augen und bin schlank. Eigentlich arbeite ich als Buchhalterin, schiebe tagsüber Zahlenkolonnen von links nach rechts. Aber Abends will ich etwas erleben: Etwas, das mit Menschen zu tun hat. Wenn ich dabei Geld verdienen kann – umso besser!
Als ich in der Zeitung eine Annonce gelesen habe, dass eine Detektei Mitarbeiterinnen sucht, die als „Lockvogel“ – gegen gute Bezahlung – mit Männern flirtet, habe ich mir gleich gedacht, dass das der richtige (und richtig aufregende!) Nebenjob für mich ist.
Seit acht Monaten teste ich jetzt also Männer für Frauen, die sich unsicher sind, ob ihre Männer ihnen wirklich treu sind. Ob sie wirklich geliebt werden.
Viele dieser Frauen wollen eigentlich bald heiraten und vorher nur nochmals ganz sicher gehen. Also geben sie der Detektei ein Foto von ihrem Liebsten, dazu noch Adresse, wo er öfters anzutreffen ist. Habe ich den Mann erst einmal gefunden, beobachte ich ihn kurz, um herauszufinden, ob er allein ist, was für ein Typ Mensch er ist, wie ich am besten auf ihn zugehe. Meistens ist es immer ganz einfach. Ich gehe zum Beispiel zu ihm hin und frage: ,Na Du, bist Du auch versetzt worden?’ Die Männer sind dann immer sehr nett und charmant, antworten oft: ,Wer ist denn so dumm und versetzt eine so hübsche Frau wie Dich?’
Oder wenn er an der Bar steht, drängle ich mich neben ihn, strahle ihn dann an – und schon sind wir im Gespräch. Dann fängt mein Spiel an: Grundsätzlich zeichne ich übrigens alle Gespräche auf, egal wo ich bin: Ob in einer Bar, im Fitness-Studio oder in einer Kneipe. Dieses Band gibt die Detektei dann später ihrer Mandantin, also der Freundin, bzw. Ehefrau des Mannes, den ich teste.
Zuerst unterhalte ich mich mit den Männern über ganz unverfängliche Themen. Dann aber, ein paar Drinks später, frage ich: ,Wollen wir nicht noch woanders hingehen?’ Sagt er nein, kann ich nach Hause gehen. Dann ist er nämlich treu. Aber 80 Prozent aller Männer sagen ,ja’ zu meinem Angebot. Dann werde ich konkret, frage, ob er zu mir mitkommt, stelle auch gleich ein paar persönliche Fragen. Zum Beispiel ob er eine Freundin hat. Das geben die meisten Männer übrigens zu. Sie beklagen sich aber oft über ihre langweiligen Beziehungen, erzählen, dass sie auch sexuell gern mal etwas Neues ausprobieren würden…
Na, wenn er so klare Aussagen gemacht hat, ist mein Job beendet. Entweder ich sage dann, dass ich mal zur Toilette muss – oder ich hole angeblich nur mal kurz Zigaretten.
Klar, manche Männer, mit denen ich beruflich flirte, sind wirklich gute Typen. Aber bei einigen denke ich auch: ,Die Frau kann echt froh sein, wenn sie den Kerl jetzt los wird!’
Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, warum auch? Ich mache doch nur meinen Job. Keine Ahnung ob ich schon einmal der Nicht-Heiratsgrund oder der Scheidungsgrund war. Ich selbst sehe die Frauen ja nie. Ich gebe nur das Band, auf dem alles aufgezeichnet ist, in der Detektei ab und kassiere mein Geld dafür. Pro Treuetest verdiene ich 100 Euro, bisher habe ich insgesamt 48 Männer getestet.
Ob ich meinen Freund testen lassen würde? Wohl kaum. Ich bin Single, allerdings auf der Suche, hätte gern einen Mann zum Anlehnen. Aber grundsätzlich denke ich, dass eine lange Beziehung einen Flirt-Ausrutscher, ja vielleicht sogar einen Seitensprung, aushalten können sollte.“
Knapp 80 Prozent der Männer werden, so eine Treue-Detektei, schwach. Und 14 Prozent bleiben wirklich richtig standhaft treu. Die Auftraggeberinnen haben übrigens zu 95 Prozent nicht einmal einen konkreten Anfangsverdacht.
Frauen werden von ihren Partnern so selten getestet, dass uns keine konkreten Zahlen vorliegen.
