Ja, ich habe es getan. Brauche ich in Ihren Augen nun dafür eine Entschuldigung? Ach, dann gehören Sie zu den Menschen, die von sich behaupten, das könne Ihnen nie passieren, richtig? Seien Sie sich da nicht zu sicher, denn: Jeder zweite von uns, egal ob Mann oder Frau, hat wenigstens einmal im Leben einen Seitensprung! Ich hatte zwei, bisher.
Signal
Als wir zu dritt
Die Straße überquerten,
Wurde sogar
Die Verkehrsampel
Rot.
Umstellt von der Meute
Abgasschnaubender Wagen,
Ergriff ich den Arm des einen,
Der rechts von mir ging.
Nicht den des anderen,
Dessen Ring ich trug.
Als wir zu viert
Uns jensseits der Kreuzungen
Trafen,
Wussten es alle.
Der eine. Der andre.
Das Schweigen.
Und ich.
(Mascha Kaléko, aus „Mein Lied geht weiter“, 100 Gedichte, dtv-Verlag)
Seitensprung, Untreue, Affäre, Laken-Tausch, Lust-Spielerei, Bettgeflüster, fremdgehen, Spiel mit dem Feuer, Affäre,… Es gibt unendlich viele Begriffe für körperliche Untreue innerhalb einer festen Beziehung. Dabei ist doch – eigentlich - sonnenklar:
Kein anderer kommt zwischen uns und unseren Partner – und erst recht kommt niemand “Fremdes” in unser Bett! Aber wenn der Alltag in die Liebe eingezogen ist, sind unsere guten Vorsätze oft schnell dahin. Und eine Beziehung ist eben immer anstrengend. Ständig muss man miteinander Kompromisse schließen, schon bei der Wahl eines Sofas oder einer Urlaubsreise. Vielleicht kein Wunder, dass sich – fast – jeder von uns manchmal eine Auszeit vom Partner wünscht, eine gewisse Leichtigkeit im Leben.
Fremdgehen, wann beginnt das eigentlich? Für Frauen wie Miriam reicht es schon, “wenn man seinen Partner vor anderen verleugnet, die Beziehung mit ihm abwertet, nur um noch Chancen beim anderen Geschlecht zu haben”. Ute sieht es lockerer: “Ich flirte gern, wenn ich allein unterwegs bin. Da muss ich doch nicht gleich jedem auf die Nase binden, dass ich liiert bin, oder? Außerdem passiert – außer dass ich mal einem anderen Mann ein bisschen tiefer in die Augen gucke – absolut gar nichts. Denn schon mit ‘nem anderen rum zu knutschen wäre für mich ein totaler Treuebruch! Wie heißt es doch so schön: ,Gucken darf man, aber gegessen wird Zuhause!’”
Wann begann es bei mir? Rückblickend weiß ich: Als ich anfing, aushäusig zu flirten, war der Seitensprung nicht mehr weit.
Aushäusig Appetit holen – ist es denn überhaupt möglich, sich Zuhause “satt zu essen”?
Eine Studie von Hamburger Sexualforschern an 1865 heterosexuellen, 19 bis 32 Jahre alten Teilnehmern, zeigte, dass die sexuelle Lust im Verlauf einer Partnerschaft bei Frauen deutlich schneller nachlässt, als bei Männern. So waren nach über drei Jahren noch 76 Prozent der Männer sofort bereit, wenn ihre Partnerin Sex wollte, aber nur 26 Prozent der Frauen waren bereit, die Lust ihrer Männer zu befriedigen (aus: “Wir Menschen” von Henning Engeln, Eichborn Verlag) .
Das Verhalten der Frauen hat, finde ich, guten Grund: Die Un-Lust der Frauen kommt daher, dass sich die Männer – kaum haben sie uns erobert – binnen kurzer Zeit nur noch wenig Mühe geben, uns zu befriedigen. So werden die einst – hoffentlich guten, wenn nicht, dann wenigstens um unser Glück bemühten – Liebhaber zu schnöden Schnell-Befriedigern. Wo, bitte sehr, sollen wir denn da noch die Lust auf Sex hernehmen?
Viele Wissenschaftler meinen, dass nicht die Männer an unserer Un-Lust schuld sind, sondern vor allem die Evolution ein Wörtchen mitzureden hat. Es geht hierbei um den Hauptaspekt, weshalb sich überhaupt “Weibchen” und “Männchen” zusammen tun: Nämlich wegen der Fortpflanzung. Die amerikanische Forscherin Helen Fisher (ich zitiere aus “Anatomie der Liebe. Warum Paare sich finden, sich binden und auseinandergehen.” TB, Droemersche Verlagsanstalt. Th. Knaur Nachf.) glaubt, dass es nicht nur die romantische Liebe ist, die uns mit unseren Partner zusammen bringt und aus den vertrauten Familienbanden reißt, um eine neue zu gründen. Es stecke auch der biologische Grund, gesunde – eben keine Inzucht, deshalb suchen wir Partner, die nicht aus unserer eigenen Sippe kommen – Nachkommen in die Welt zu setzen, dahinter.
Ist der Partner gewählt und ein Kind kommt zur Welt, ist erst einmal “Ruhe im Karton”. Etwa vier Jahre lang. Bis dahin haben Mann und Frau nämlich gut zu tun: Sie ist erst neun Monate schwanger, danach die längere Stillzeit, das Baby, das viel Zuwendung braucht, das Kleinkind, das nicht schlafen will = Erschöpfung. Auf der anderen Seite der Mann: Er ist erst einmal stolz auf seinen Nachkommen, hat vorher gut “aufgepasst”, dass ihm kein anderer die Frau weg schnappt – und somit zum Vater der Kinder werden könnte. Sein Erbgut ist also weitergegeben, jetzt investiert er in seinen Nachkommen, in dem er die Mutter bei der “Nahrungssuche” unterstützt.
Doch dann sind vier Jahre um. Das Kind hängt nicht mehr ganz so am “Rockzipfel” der Mama… Für Helen Fisher ist klar: “Die Mutter ist ungefähr ab diesem Zeitpunkt nicht mehr so auf die Hilfe des Mannes angewiesen und hat Gelegenheit, sich nach einem neuen Partner umzusehen. Es ist kein Zwang zum Auseinandergehen, aber doch eine gewisse innere Unruhe, die die Menschen nach vier Ehejahren umtreibt. Und ich bin überzeugt, dass sie eine biologische Wurzel hat.” Statistiken belegen, dass Frauen sich gern einen Mann suchen, der ein paar Jahre älter ist – und erfolgreich, finanziell gesehen. Nein, das ist kein schlechter Charakter des weiblichen Geschlechts, sondern auch nur evolutionsbedingt: Wir Frauen suchen Männer, die uns und unseren Nachwuchs gut versorgen können. Das liegt so sehr in unseren Genen, dass es auch Frauen “erwischt”, die selbst sehr erfolgreich im Job sind und finanziell überhaupt nicht auf einen Mann angewiesen sind.
Aber innerhalb der vier Jahre kommt auch der Mann zum “Stimmungswechsel”: Schließlich könnte er doch mit mehreren Frauen viele verschiedene Kinder zeugen, sein Erbgut also immer weiter in die Welt tragen… Deshalb, so glauben Wissenschaftler und Forscher, verlieben sich Männer immer wieder neu in Frauen, die jung und schön sind (bestes momentanes Beispiel ist vielleicht der Schauspieler Til Schweiger, der zur Zeit eine Freundin hat, die so jung ist, dass sie fast schon seine eigene Tochter sein könnte?)
Da sind sie also die Gründe für den “Laken-Tausch”, für das “Spiel mit dem Feuer”. Und nun klopft der Seitensprung also quasi bereits an die Tür…
